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Mittwoch, 16. Dezember 2009

So, 26. Juli 2009: SLC -> Provo -> Moab / Arches N.P.

Heute ist Sonntag, wir wollen wieder in einen Gottesdienst. Utah ist zwar "der" Mormonenstaat, aber selbst in Salt Lake City gibt es auch viele andere Kirchen. Wir wollen wieder zu einer Gemeinde unserer Partnerkirche, der United Church of Christ. Doch trotz navi finden wir die Holladay-Gemeinde nicht. Irgendwie endet die Straße bei viel zu niedrigen Hausnummern in einer Sackgasse. Dann entdecken wir eine Fortsetzung, aber auch hier Baustelle und wieder eine Sperrung. Die Zeit vergeht, zum 10 Uhr Gottesdienst würden wir glatt zu spät kommen.

Doch im Internet habe ich gesehen, dass es auch in Provo eine UCC-Gemeinde gibt und dort der Gottesdienst erst um 11.30 Uhr beginnt. Diese kleine Kirche erreichen wir sehr pünktlich. Überrascht stellen wir fest, der Pfarrer dieser Gemeinde kommt aus Deutschland, und heute hält die Predigt sein Schwiegervater aus Wuppertal. Die Gemeinde ist sehr klein, gerade 25 Besucher sind zum Gottesdienst gekommen. Natürlich bleiben wir wieder zum Kaffee hinterher.


Durch die Wüste fahren wir weiter südwärts. In einem Supermarkt in Price kaufen wir preisgünstig ein, zuvor der Ort Helper schien uns die besten Zeiten hinter sich zu haben und ähnelte eher einer Geisterstadt.

In Moab, unserem Ziel für heute, buchen wir uns im Super 8 Motel ein. Nach einer Erholungspause von der doch etwas längeren Fahrt geht es um 19 wieder raus, wir fahren in den "Arches National Park". Das Gate ist schon gar nicht mehr besetzt, wir hätten auch ohne Eintrittspass reinfahren können. Als erstes sehen wir eine ganz natürlich "Arch", einen wunderschönen Regenbogen über dem Nationalpark.




Die untergehende Sonne und ihr Licht verzaubern den Park und sein vorwiegend rötliches Gestein. Wir wandern noch ein wenig herum zum Falling Rock und zur Arch. Es wird immer dunkler. Doch draußen ist es noch sehr warm. Die ersten Sterne erscheinen, dann immer mehr. Ds Sternbild Skorpion lässt sich hier wunderschön in seiner ganzen Größe bewundern, wie man es von Deutschland aus niemals sehen kann.

Dann sehe ich ein recht helles Licht in der Nähe des Horizonts. Kommt von dort hinten noch ein Wanderer mit einer Taschenlampe? Nein, dann würde es unruhiger zappeln. Schnell erkenne ich, das ist Jupiter - er leuchtet direkt durch die Arch hindurch! Ein wunderschöneres Erlebnis kann es für mich auf dieser Erde kaum geben.




Neben uns hält ein Pick-Up. Eine ganze Familie (Eltern und zwei Kinder) steige aus und machen es sich auf der Ladefläche mit ihren Schlafsäcken bequem. Was gibt es schöneres, als unter diesem Sternenhimmel im Freien zu nächtigen?

Bilder aus Provo:



Bilder aus dem Arches Nationalpark:



Bilder der Nacht:



Meiner Meinung nach empfiehlt es sich hier sehr, den Link links unten direkt zum Picasaalbum anzuklicken, dann kann man die Bilder noch größer, Bildschirm füllender, betrachten.



Donnerstag, 3. Dezember 2009

Mo, 13. Juli 2009: Topeka -> Sutton -> North Platte

Am Montag klingelte schon um 7 Uhr der Wecker, denn wir fuhren nicht gleich allein weiter, sondern zunächst einmal wieder zur Kirche. Dort trafen wir verschiedene Eltern und Kinder, mit denen es dann anschließend zum "White Memorial Camp" der United Church of Christ von Kansas/Oklahoma ging. Zunächst ging es noch den Highway entlang, dann wurden die Straßen immer schmaler, schließlich fuhren wir viele Meilen über eine staubige Sandpiste zum Ziel. Das Camp ist ein riesiges Gelände auf einer wunderschönen Halbinsel und ragt in den See hinein. Es beinhaltet verschiedene Schlafgebäude, einen Pool, ein kleines Open-Air-Theater, einen wunderschönen Gottesdienstplatz mit einem Holzkreuz und dahinter dem Blick weit über den See hinaus.


Nachdem wir die Kinder hier abgeliefert hatten, zeigte uns Tobias das große Gelände, ein Geschenk eines reichen Mitglieds der Kirche. Ein solches Gelände geschenkt zu bekommen ist sicherlich eine tolle Sache. Eine bessere Umgebung kann man sich für Ferienlager oder Familienfreizeiten kaum vorstellen. Doch gilt es dann natürlich auch immer dieses zu erhalten und zu pflegen, was einige Kosten verursacht - und ob der edle Spender wirklich keine Gegenleistung erwartet?

Gegen Mittag fuhren wir dann aber doch weiter, bis zum Yellowstone Park mussten wir ja noch viele, viele Meilen zurücklegen. Von Kansas aus mussten wir also einerseits wieder gen Westen fahren, wozu sich die I-70 wieder anbot, andererseits mussten wir zu unserem Hauptziel aber auch mehr Richtung Norden, und dafür gab es nun mehrere Möglichkeiten. So bogen wir bei Salina von der I-70 ab auf den State Highway 81 und fuhren hier bis nach Nebraska.


Bei Nebraska dachte Susanne an eines ihrer Englisch-Schulbücher. Dort wurde in einer Lerneinheit für die 7. Klasse ein kleiner Ort mitten in der Prärie beschrieben: "Sutton". Wir fanden es tatsächlich auf der Karte, nicht weit von unserer Strecke entfernt, also beschlossen wir, dorthin einen Abstecher zu machen. Und tatsächlich kamen wir dort gegen 16 Uhr an. Mitten im Ort die Sutton Public School. Der Parkplatz war natürlich recht leer, denn auch in den USA waren zu der Zeit Ferien. Als wir aus dem Auto stiegen und auf das Schulgebäude zukamen, sprachen wir eine Frau an, die gerade das Gebäude verließ. Es stellte sich heraus, dass sie die Schulsekretärin war. Und "Ja, ich kann mich noch gut an den Autor des deutschen Schulbuchs erinnern, als er hier war, davon berichtete und auch die Fotos machte, er hat uns später ein Exemplar geschickt!" erzählte sie uns.

Sutton ist wirklich ein kleines "Nest" mit knapp 1500 Einwohnern. In der ganzen weiten Umgebung gibt es nur Farmland, Farmland, Farmland. Große Berieselungsgeräte halten die Felder feucht, Landwirtschaft scheint hier weit und breit so ziemlich der einzige Erwerbsmöglichkeit zu sein. Doch wie sieht es wirklich mit den Arbeitsplätzen aus. Tobias hatte uns erzählt, heute werden die großen Mähdrescher meist schon ferngesteuert übers Internet auf den Feldern gefahren! Nur in den LKWs, die zum Transport über die Straßen benötigt werden, sitzen noch Menschen.

Von Sutton aus fuhren wir noch etwas weiter Richtung Westen. In North Platte an der I-80 beschlossen wir, diese Nacht in einem Motel zu verbringen. Uns gefiel das "Howard Johnson Inn" für 59$ plus Steuern (tax). Als wir den Fernseher einschalteten, merkten wir schnell, das es genau die richtige Entscheidung war. Denn für die weitere Strecke, wir wollten die "83" nach Norden fahren, gab es eine Tornado-Warnung. Alle paar Minuten gab es im Fernseher eine genaue Meldung, wo der Tornado jetzt gerade langzog. Unseren Ort oder gar unser Motel bedrohte er zum Glück in der Nacht nicht, hier regnete es nur ein bisschen. Wir schliefen prima durch.

Bilder vom White Memorial Camp:



Bilder aus Nebraska:




So, 12. Juli 2009: Wichita -> Topeka

Um 6.30 Uhr früh klingelt der Wecker. Wir stehen auf und frühstücken mit Catherine. Eine Stunde später fahren wir los nach Topeka. Dort wollen wir um 10.30 Uhr im Gottesdienst der "First Congregational Church, United Church of Christ" den Sonntag feiern. Der Pfarrer dieser Gemeinde ist Tobias Schlingensiepen. Ich habe ihn auf verschiedenen Treffen kennengelernt, auf denen es um die Zusammenarbeit und Freundschaft, kurz "Kirchengemeinschaft" der amerikanischen United Church of Christ (UCC) und der deutschen evangelischen Kirche ging. Als ich ihm schrieb, wir werden diesen Sommer in Kansas sein, hat er uns wie selbstverständlich zum Gottesdienst eingeladen und uns auch eine Übernachtung in seinem Haus angeboten.


Von den Mitgliedern der seiner Gemeinde werden wir herzlich begrüßt. Es gibt vielerlei Beziehungen zwischen der UCC und der evangelischen Kirche in Deutschland, wenn auch nicht immer so ausgeprägt, wie in der Person von Tobias selbst. Tobias theologische Wurzeln reichen weit zurück, einer seiner Vorfahren lebte als Mönch mit Martin Luther zusammen. Seine Großeltern waren Mitglieder der bekennenden Kirche und standen in starker Gegnerschaft zu den Nazis. Geboren wurde Tobias in Berlin, wuchs dann aber in den 70er und 80er Jahren in Topeka auf. Zum Studium kehrte er später nach Deutschland zurück, wo er auch seine erste Frau Ulrike, mit der er drei Kinder hat, Jephtah, Marah und Benaja. Im Dezember 2000 wurde Tobias als Pfarrer in dieser Gemeinde eingeführt, in der er schon als Jugendlicher aktiv war.

Ich durfte im Gottesdienst ein kleines Grußwort sprechen. Thomas predigte über die "Covenant" der First Congregational Church, eine Art "Verbindlichkeitserklärung" der Gemeinde, wofür sie in der Gesellschaft stehen. Und nach dem Gottesdienst gab es, wie wohl in allen UCC Gemeinden am Sonntag üblich noch ausführlich Gelegenheit bei Kaffee und Keksen und von uns mitgebrachten Original deutschen Gummibärchen zu ausführlichen Gesprächen. Viele deutschsprachige Gemeindemitglieder freuten sich, mit uns einige Sätze auch auf deutsch zu sprechen.

Am Nachmittag fuhren wir mit zunächst zu einem Spaziergang am Kansas River. Tobias zeigte uns hier einige Naturschönheiten, wie einen Red-Tail-Hawk. Dann fuhren wir noch nach Lawrence, eine benachbarte Kleinstadt mit Universität und einem sehr gut sortiertem Bioladen, wo wir u.a. zum Abendessen einkauften. Tobias ist nicht nur Theologe sondern auch sehr naturverbunden. Nebenbei betreibt er eine kleine Landwirtschaft, und wir bestaunten ein wenig seine Schildkröten und Hunde. Nach dem Essen diskutierten wir über unsere Reisepläne, was wir uns doch alles noch ansehen sollten, wie wohl das Wetter im Yellowstone Park sein würde und sprachen noch lange über Gott und die Welt.

Weitere Bilder des Tages: